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Was ist Breathwork? Wie bewusste Atmung Gehirn, Nervensystem und Bewusstsein beeinflusst

Mann praktiziert eine breathwork session am Meer zur Regulierung des Nervensystems und zur Förderung von innerer Balance
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Inhaltsverzeichnis

Video Was ist Breathwork?

Was ist Breathwork – und warum beschäftigen sich immer mehr Menschen damit? Bevor wir tiefer in diesen Artikel einsteigen, ist es sinnvoll, zunächst zu klären, was mit dem Begriff Breathwork eigentlich gemeint ist.

 

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird Breathwork häufig mit intensiven Atemtechniken verbunden, etwa Conscious Connected Breathing, Transformative Breathwork, holotropem Atmen, PSYCHEDELIC BREATH® oder der Wim Hof Atmung. Diese Methoden nutzen meist dynamische oder verbundene Atemmuster, bei denen Teilnehmer teilweise bewusst schneller oder tiefer atmen und zeitweise sogar hyperventilieren. Ziel solcher Atemmuster ist es häufig, emotionale Prozesse anzustoßen oder veränderte Bewusstseinszustände zu ermöglichen.

 

Ich verwende den Begriff Breathwork jedoch etwas breiter. Unsere Atmung kann auf zwei Arten stattfinden: Einerseits wird sie automatisch durch das autonome Nervensystem gesteuert, andererseits können wir sie bewusst beeinflussen – etwa indem wir unsere Aufmerksamkeit auf den Atem richten, das Ein- oder Ausatmen verändern oder den Atemrhythmus gezielt steuern.

 

In diesem Artikel verstehe ich Breathwork daher als jede Form bewusster Atemsteuerung, bei der wir aktiv in den natürlichen Atemfluss eingreifen, um Körper, Geist oder Nervensystem zu beeinflussen. Dazu gehören sowohl intensive Methoden wie Conscious Connected Breathing oder holotropes Atmen, PSYCHEDELIC BREATH® als auch traditionelle Atemtechniken wie Pranayama Atmung aus der Yogatradition, die jeweils unterschiedliche physiologische und mentale Zustände hervorrufen können. Wie eine konkrete Breathwork Session aussehen kann und welche Erfahrungen Menschen dabei machen, erfährst du in meinem Artikel Breathwork Session: Wie bewusste Atmung das Bewusstsein verändern kann.

Wie kann ich die Atmung bewusst steuern? Die wichtigsten Parameter

Was Breathwork so vielseitig macht, ist die Tatsache, dass wir unsere Atmung auf viele verschiedene Arten bewusst beeinflussen können. Jede Veränderung eines dieser Parameter kann unterschiedliche Effekte auf Körper, Geist und Nervensystem haben:

  • Tempo – langsam, normal oder schnell atmen
  • Länge – die Einatmung oder Ausatmung gezielt verlängern oder verkürzen
  • Volumen – nur 60%, 80% oder die volle Lungenkapazität nutzen
  • Atemraum – in die Brust, in den Bauch oder in beide Bereiche gleichzeitig atmen
  • Weg – durch die Nase, durch den Mund oder kombiniert
  • Rhythmus – synchron, nicht synchron oder mit gezielten Atempausen
  • Atemstops – kurz anhalten nach der Ein- oder nach der Ausatmung

 

Diese Parameter können einzeln oder kombiniert eingesetzt werden. Genau darin liegt die Vielfalt der Breathwork-Methoden – sie alle nutzen unterschiedliche Kombinationen dieser Steuerungsmöglichkeiten, um gezielt verschiedene Zustände im Körper und Nervensystem hervorzurufen.

Hinweis zur Sicherheit bei Breathwork Sessions

Bei intensiveren Breathwork-Methoden wie Conscious Connected Breathing oder Transformative Breathwork ist grundsätzlich Vorsicht geboten. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sehr hohem Blutdruck, nach einer Herzoperation oder während der Schwangerschaft sowie bei anderen gesundheitlichen Einschränkungen sollten solche Atemtechniken vorher mit einem Arzt oder einer Fachperson abklären. Intensive Breathwork-Methoden sollten außerdem nur unter Anleitung eines qualifizierten Breathwork Coaches, Facilitators oder Atem Coaches durchgeführt werden.

 

Ich selbst habe ebenfalls eine Herzoperation hinter mir, habe die Praxis jedoch zuvor medizinisch abgeklärt und persönlich keine Probleme damit – wichtig ist immer, auf den eigenen Körper zu hören und die Intensität anzupassen.

Woman lying relaxed on a yoga mat and practicing conscious breathing with closed eyes while connected via laptop – scene from a transformative breathwork session online for emotional regulation and

Was ist Breathwork im wissenschaftlichen Sinne?

Breathwork bezeichnet strukturierte Techniken des bewussten Atmens, die physiologische und psychologische Zustände beeinflussen können. Wie bereits erwähnt, atmen wir meist automatisch, ohne uns bewusst zu sein, wie stark der Atem unseren Körper beeinflusst. Bewusstes Atmen nutzt dagegen bestimmte Atemmuster, um gezielte Effekte auf Körper und Geist zu erzielen.

 

Atemarbeit ist keine neue Entwicklung. Ihre Wurzeln liegen in alten Pranayama-Techniken, bei denen Praktizierende den Atem nutzten, um ihre innere Energie bewusst wahrzunehmen. Moderne Forschung zeigt heute, warum sich diese Methoden über die Zeit bewährt haben. Langsames, kontrolliertes Atmen kann die parasympathische Aktivität steigern und das autonome Gleichgewicht verbessern, wodurch Körper und Geist stärker in Richtung Erholung und Regeneration gelenkt werden. (Quelle: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11897343/)

 

Neuere Studien zeigen außerdem, dass Atemtechniken nicht nur das Nervensystem beeinflussen, sondern auch mit Veränderungen der Gehirnaktivität und der Durchblutung bestimmter Hirnregionen verbunden sein können, die an Emotionen, Körperwahrnehmung und Erinnerungen beteiligt sind. Teilnehmer berichten dabei häufig von veränderten Bewusstseinszuständen, emotionaler Entlastung oder gesteigerter Klarheit. (Quelle: Plos.one) (Quelle: Eurekalert)

 

 

Moderne Atemarbeit beinhaltet auch Achtsamkeit auf den Atem. Indem du dich auf das Ein- und Ausatmen konzentrierst, kannst du dein Nervensystem stabilisieren und autonome Reaktionen regulieren. Wenn du dein Nervensystem beruhigen möchtest, ist der Atem daher ein sehr zugängliches Werkzeug.

 

Atemarbeit und das Nervensystem: Wie die Atmung Körper und Geist reguliert

Um die positiven Effekte von Atemarbeit für das Nervensystem zu verstehen, lohnt sich ein Blick darauf, wie die Atmung mit dem autonomen Nervensystem zusammenarbeitet.

Das autonome Nervensystem besteht aus zwei Teilen: dem sympathischen Nervensystem, das für Aktivität zuständig ist, und dem parasympathischen Nervensystem, das Ruhe und Erholung unterstützt. Bei dauerhaftem Stress arbeitet der sympathische Teil oft überaktiv, was zu Problemen wie Schlafstörungen oder erhöhter Reizbarkeit führen kann.

Pranayama Atmung und andere Breathwork Techniken wie denen von HeartMath können helfen, dieses Gleichgewicht wieder zu unterstützen. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass langsame Atemtechniken die parasympathische Aktivität fördern und die Flexibilität des autonomen Nervensystems verbessern können. Zudem stehen sie mit einer erhöhten Aktivität des Vagusnervs und einer höheren HRV in Zusammenhang, was Stressresilienz und emotionale Regulierung stärken kann. (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6137615)

Der Vagusnerv spielt dabei eine zentrale Rolle. Er wird stimuliert, wenn sich die Atmung verlangsamt, und hilft dem Herzen, seinen Rhythmus zu regulieren.

Was passiert wirklich beim bewussten Atmen?

Ich habe es selbst getestet und mit dem Qiu Ball gemessen – schwarz auf weiß, wie bewusste Atmung mein Nervensystem in Echtzeit reguliert hat.

Mann hält einen Qiu Ball in die Kamera – Biofeedback-Gerät zur Stressmessung und Nervensystemregulation

Emotionale Entspannung durch Breathwork: Stress und innere Anspannung reduzieren

Wann immer wir uns schlecht fühlen, was ist der erste Ratschlag, den wir bekommen? Atme tief durch. Also tust du das, und es überrascht nicht, dass du dich tatsächlich besser fühlst.

Das zeigt bereits, wie stark die Atmung mit unserer emotionalen Regulation verbunden ist. Wenn wir unter dauerhaftem Stress stehen, bleibt das Nervensystem häufig in einem Zustand erhöhter Aktivierung. Dadurch reagieren wir schneller emotional, fühlen uns angespannter und haben größere Schwierigkeiten, nach Belastungen wieder in einen entspannten Zustand zurückzukehren.

Kontrolliertes Atmen kann helfen, einen Teil dieses Stresses abzubauen. Untersuchungen zeigen, dass langsame Atemtechniken Gehirnregionen beeinflussen, die an der emotionalen Verarbeitung beteiligt sind, und gleichzeitig die parasympathische Aktivität stärken. Mit anderen Worten: Pranayama Breathwork Sessions können dabei helfen, emotionale Intensität zu regulieren, statt sie dauerhaft im Körper anzusammeln. (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6137615)

Neuere Forschung zu intensiveren Breathwork Sessions deutet außerdem darauf hin, dass bewusst gesteuerte Atemprozesse mit Veränderungen der Gehirndurchblutung in emotional relevanten Regionen wie der Amygdala und dem Hippocampus verbunden sein können. Teilnehmer berichten dabei häufig von Zuständen innerer Weite, emotionaler Befreiung oder reduzierten negativen Gefühlen.

Transformative Breathwork Session mit Conscious Connected Breathing – Gruppe liegt entspannt mit Augenmasken und Kopfhörern während geführter Atemarbeit

Stanislav Grof und veränderte Bewusstseinszustände durch Atemtechniken

Der Psychiater Stanislav Grof beschäftigte sich bereits in den 1970er-Jahren intensiv mit solchen Erfahrungen. In seinem Buch Holotropes Atmen beschreibt er, dass intensive Atemmethoden Zustände hervorrufen können, die er als „non-ordinary states of consciousness” bezeichnet – also veränderte Bewusstseinszustände, in denen Menschen häufig einen intensiveren Zugang zu Emotionen, inneren Bildern oder persönlichen Erinnerungen erleben.

Stanislav Grof und veränderte Bewusstseinszustände durch Atemtechniken

Neuere Forschung der Brighton and Sussex Medical School zeigt, dass intensive Breathwork-Methoden nachweislich veränderte Bewusstseinszustände hervorrufen können. In einer MRT-Studie wurde festgestellt, dass sogenannte High Ventilation Breathwork die Durchblutung in der rechten Amygdala und dem vorderen Hippocampus erhöht – jenen Hirnregionen, die für emotionale Verarbeitung und Erinnerungen zuständig sind. Die Effekte ähnelten dabei teilweise jenen psychedelischer Substanzen. (Quelle: PLOS One, 2025)

Eine besonders faszinierende Methode in diesem Bereich ist PSYCHEDELIC BREATH® – eine intensive Breathwork-Technik, die ich selbst praktiziere und in der ich ausgebildet bin. Was dabei im Gehirn passiert, ist wissenschaftlich höchst interessant: Durch die intensive Atemarbeit wird der Präfrontale Cortex – unser denkendes, planendes und rationalisierendes Gehirn – weniger durchblutet und damit weniger aktiv. Anders ausgedrückt: Unser innerer Kritiker wird vorübergehend still gestellt.

Gleichzeitig werden andere Gehirnareale aktiver – darunter das limbische System, das für Emotionen und tiefe Erinnerungen zuständig ist. Das Gehirn wechselt dabei in langsamere Frequenzen wie Alpha- und Theta-Wellen, Zustände die normalerweise in tiefer Meditation oder kurz vor dem Einschlafen auftreten. In diesen Zuständen werden tiefe Einsichten möglich, innere Bilder entstehen, kreative Lösungen tauchen auf – und emotionale Blockaden können sich lösen.

Ruhigere Methoden wie kohärentes Atmen oder Pranayama wirken hingegen eher stabilisierend und beruhigend auf das Nervensystem – ohne intensive Bewusstseinsveränderungen hervorzurufen. Wie sich diese Zustände in der Praxis wirklich anfühlen, habe ich in meinen persönlichen Breathwork Erfahrungen festgehalten.

Verschiedene Atemtechniken: Von altem Pranayama bis zu modernen Breathwork Sessions

Es gibt viele verschiedene Formen von Breathwork, und auch einzelne Breathwork Sessions können sich stark unterscheiden. Sie reichen von traditionellen Pranayama-Techniken bis hin zu modernen und fortgeschrittenen Atemmethoden. Trotz dieser Unterschiede verfolgen sie meist ein gemeinsames Ziel: das Nervensystem zu beeinflussen und eine stabilere Verbindung zwischen Körper und Geist zu fördern.

 

Zu den alten Pranayama-Praktiken gehören Techniken wie die Wechselatmung (Nadi Shodhana), die Ujjayi-Atmung, verlängerte Ausatmungsmuster und Pranayama Brahmari. Diese Methoden legen den Schwerpunkt auf kontrolliertes Ein- und Ausatmen, um innere Zustände zu regulieren. Untersuchungen zu langsamen Atemtechniken deuten darauf hin, dass sie das autonome Gleichgewicht und die Emotionsregulation beeinflussen können, wenn sie konsequent praktiziert werden. (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6137615/)

 

Im Gegensatz dazu sind moderne Formen der Atemarbeit eher rhythmisch und strukturiert. Dazu gehören die Kastenatmung (gleichmäßiges Ein- und Ausatmen sowie Anhalten), die kohärente Atmung und geführte Atem-Meditation. Es gibt auch dynamischere Formen der Atemarbeit, die intensivierte Atemmuster beinhalten – etwa transformative Atemarbeit, Conscious Connected Breathing, holotropes Atmen, traumainformierte Atemarbeit und Psychedelic Breath. Diese Methoden sollten mit Vorsicht angegangen werden, da sie starke physiologische und emotionale Reaktionen hervorrufen können.

 

Ich möchte an dieser Stelle auch eine persönliche Erfahrung teilen: Ich selbst hatte eine Herzoperation und nehme dennoch regelmäßig an Breathwork Sessions teil und leite teilweise auch Sessions. Für mich ist dabei entscheidend, auf den eigenen Körper zu hören. Wenn ich merke, dass mir eine Atemtechnik zu intensiv wird, reduziere ich die Intensität oder kehre zu einem ruhigeren Atemrhythmus zurück. Bisher habe ich damit ausschließlich positive Erfahrungen gemacht.

 

Wenn du darüber nachdenkst, mit Atemtechniken zu beginnen, ist Regelmäßigkeit meist wichtiger als Intensität. Schon einfache und langsame Atemübungen können bei konsequenter Praxis einen positiven Einfluss auf dein Nervensystem haben.

Häufige Fragen zu Breathwork

Was ist Breathwork? Definition und Ursprung

Breathwork bezeichnet verschiedene Techniken der bewussten Atmung, bei denen der Atemrhythmus gezielt verändert wird, um Körper, Nervensystem und mentale Zustände zu beeinflussen. Dazu gehören sowohl ruhige Atemübungen aus dem Yoga, wie Pranayama, als auch intensivere Methoden wie Conscious Connected Breathing.

Ja. Studien zeigen, dass bewusste Atemtechniken das autonome Nervensystem beeinflussen können. Langsame und kontrollierte Atmung kann die parasympathische Aktivität erhöhen, wodurch der Körper leichter in einen Zustand von Ruhe und Regeneration wechseln kann.

Ja – intensive Breathwork-Methoden wie High Ventilation Breathwork können nachweislich veränderte Bewusstseinszustände hervorrufen. Eine MRT-Studie aus 2025 zeigte Veränderungen der Gehirndurchblutung in emotional relevanten Regionen. Ruhigere Atemtechniken wie kohärentes Atmen wirken hingegen eher beruhigend auf das Nervensystem.

Viele Atemübungen sind grundsätzlich sicher. Bei intensiveren Methoden wie Conscious Connected Breathing oder Transformative Breathwork sollten Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sehr hohem Blutdruck, während der Schwangerschaft oder nach einer Herzoperation jedoch vorsichtig sein und solche Techniken nur unter Anleitung eines qualifizierten Breathwork Coaches durchführen.

Breathwork bedeutet auf Deutsch so viel wie “Atemarbeit” – also die bewusste und gezielte Steuerung des Atems.

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